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Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Der Antikenhändler Phoenix Ancient Art S.A. aus Genf hat gleich ein komplettes Atrium aufgebaut, in dessen Mitte ein großes und ausgesprochen qualitätvolles römisches Mosaik aus Nordafrika prunkt, das mit ungefähr einer Million Euro relativ moderat bepreist ist. Für eine vergleichbare Summe gibt es hier allerdings auch kykladische Statuen oder hellenistische Schalen aus getriebenem Silber, die in einer Handtasche Platz hätten. l » read more

Stefen Kobel, XXIV. Biennale des Antiquaires, Grand Palais, Paris. Vom 11. bis 21. September 2008

Die Biennale ist ein Pflichttermin für Liebhaber alter Kunst, da die Händler ihre wirklichen Preziosen regelmäßig für Maastricht und Paris aufheben, während New York, Palm Beach, Moskau oder Salzburg eher nachrangig bestückt werden. Daher muss hierher kommen, wer etwa Giovanni Boldinis Porträt der Madame Gabrielle Rejane aus dem Besitz der Familie des Modells bei Robilant + Voena aus London und Mailand für 850.000 Euro sehen will.

In der Welthauptstadt des erlesenen Geschmacks sehen die Aussteller zudem eine besondere Herausforderung darin, ihre Stände besonders anspruchsvoll auszustatten. Der Antikenhändler Phoenix Ancient Art S.A. aus Genf hat gleich ein komplettes Atrium aufgebaut, in dessen Mitte ein großes und ausgesprochen qualitätvolles römisches Mosaik aus Nordafrika prunkt, das mit ungefähr einer Million Euro relativ moderat bepreist ist. Für eine vergleichbare Summe gibt es hier allerdings auch kykladische Statuen oder hellenistische Schalen aus getriebenem Silber, die in einer Handtasche Platz hätten.

Die Kunden für solche Kleinode kommen laut Mitinhaber Hicham Aboutaam aus der ganzen Welt an die Seine. Selbst die Galerie Neuse aus Bremen pflegt keineswegs den horror vacui, sondern rückt ein einzelnes Objekt in den Mittelpunkt ihrer Präsentation – allerdings ist der für das neapolitanische Königshaus gefertigte Tafelaufsatz aus teilvergoldetem Silber riesig (1,4 Mio. Euro).

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